Schreib' jetzt, korrigiere später!"
Ich habe schon an anderer Stelle auf mein oben abgebildetes Buch hingewiesen. Ein wesentlicher Einfluss für das Buch war ein Seminar von "Club23" in dem u. a. Robert Krause, ein erfolgreicher Drehbuchautor die Teilnehmer an die Hand nimmt und Ihnen erklärt, wie sie am schnellsten zu einem Drehbuch oder einem Exposé dafür kommen. Beim Schreiben eines (Print-)Buches ist es genauso.
Bei dem, was mir das Club23-Webinar zeigte, stellte ich fest, dass ich per Zufall bisher immer den für mich! richtigen Weg gewählt hatte: Ich habe einfach losgeschrieben. Mal waren es zwei Seiten, weil ich keine Zeit hatte, mal waren es 23 und einmal waren es über 60 Taschenbuchseiten.
Welcher Typ bist du?
Nach dem Webinar habe ich den Fehler begangen, mir für ein neues Buch vorher einen Plan erstellen zu wollen. Das war ein großer Fehler, denn das entspricht nicht meiner Veranlagung. Ich habe nun für meinen neuen Stoff ein fast fertiges Exposé und mehrere Plänen, die mir alle nicht gefallen und komme nicht weiter.
Jetzt ringe ich darum, die vielen Pläne aus meinem Kopf zu kriegen, um einfach wieder drauflosschreiben zu können.
Ich bin nun mal ein Drauflosschreiber.
Finde also deinen Typ Planer oder Drauflosschreiber heraus und hüte dich davor, den Ansatz zu gehen, der nicht deiner ist.
Sei perfekt genug!
Die Hemmungen lagen bei mir am Planen. Ich suchte einen perfekten Plan und fand mehrere unperfekte, aus denen mir die Auswahl des einen perfekten Planes schwerfiel.
Sei nicht perfekt sondern perfekt genug!
"Wie?", wirst du dich fragen. "Das Adjektiv 'perfekt' kann man genau wie 'optimal' nicht steigern. Das Wort 'optimaler' gibt es nicht genauso wenig wie 'perfekter' oder 'weniger perfekt'. Wie kann es da ein 'perfekt genug' geben?"
Ganz einfach, ein perfektes Buch gibt es nicht. Selbst Thomas Mann oder andere Literaturnobelpreisträger haben je etwas Perfektes geschrieben, weil das nicht geht. Man kann nicht über 500 Seiten alles so schreiben, dass es nirgendwo eine kleine Unperfektheit gibt. Danach zu streben, lässt ein Buch nie fertig werden. Man muss perfekt genug schreiben, dass es bei möglichst vielen Lesern den Eindruck erweckt, in ihren Augen perfekt zu sein. Perfekt genug heißt für mich so perfekt, dass deine Leser die Unperfektheiten gar nicht oder wenigstens als nicht störend empfinden. Das heißt, dass du bei Marcel Reich-Ranitzki hättest perfekter sein müssen, als bei Erika Mustermann.
In einem seiner Newsletter (Es ist sehr empfehlenswert, den zu abonnieren) schrieb Robert Krause:
"Bei meinem zweiten Drehbuch habe ich es dann auch anders gemacht. Ich habe einfach nur geschrieben, ohne anzuhalten, ohne zu überarbeiten. Es fiel mir schwer, nicht ständig alles sofort zu verbessern, aber ich zog es durch.
Und, wow. Ich war viel, viel schneller fertig – und ich war erstaunt, wie gut die Seiten schon waren, ganz ohne dass sie zwischendurch „perfektioniert“ hatte."
Intuitiv hatte ich selbst so gearbeitet und mehr als zehn Bücher veröffentlicht! 'Frage nie einen Tausendfüßler, wie er seine Beine koordiniert! Er wird stürzen!'
Nun suche ich den Weg, für meine an sich perfekte Idee, die vielen unperfekten Pläne zu vergessen und möglichst erst alles, so wie es kommt, niederzuschreiben und danach zu perfektionieren. Dafür werde ich mich von allem, was schon fertig ist, sicher trennen müssen, so schwer es mir fällt.
Perfektionieren heißt dann,
- Schreibfehler zu korrigieren,
- Klischees zu überprüfen, ob sie passen, weil sie den Sinn an der Stelle auf den Punkt bringen oder nicht (ja, man kann Klischees verwenden),
- Ungenauigkeiten wegzurecherchieren,
- Logikbrüche zu finden und zu beseitigen,
- die handelnden Personen authentischer zu gestalten.
Aber das ist ja eigentlich klar, erst wenn man "Stoff", hat kann man ihn verbessern, oder?
Noch ein Zitat von Robert Krause:
"Heute weiß ich, dass [das] vorwärtsgewandte Ausschreiben und das Überarbeiten zwei völlig unterschiedliche Zustände sind. Das Ausschreiben ist schöpfen, etwas Neues erschaffen – unperfekt, chaotisch, aber kreativ. Überarbeiten ist analysieren, feilen, verbessern."